skip to Main Content

Transfermaßnahme für Praktiker / Max Bahr sehr erfolgreich

In ganz Deutschland hat die Baumarkt-Kette Praktiker ihren Slogan „20 Prozent auf alles, außer auf Tiernahrung“ über Jahre zu einer stehenden Redewendung gemacht. Als im Sommer 2013 klar wird, dass die Rabatt-Schlacht und andere Management-Fehler den Baumarkt-Riesen samt der von ihm 2006 aufgekauften norddeutschen Familienunternehmen in den Ruin getrieben haben, stehen 12.000 Mitarbeiter und ihre Familien vor einer ungewissen Zukunft. Was danach folgt, ist die größte bisher da gewesene Transfermaßnahme im Einzelhandel überhaupt.

Für die Praktiker-Mitarbeiter wird der Rettungsring ausgeworfen, der den Schlecker-Frauen bei der Pleite der Drogeriemarktkette verweigert worden war. 7880 Betroffene greifen in ihrer Notlage zu. Um die Kraftanstrengung, so viele Menschen für den Arbeitsmarkt fit zu machen, überhaupt stemmen zu können, kooperieren erstmals sechs Anbieter von Transfergesellschaften. Sie bauen in ganz Deutschland wohnortnah Anlaufstellen für die Baumarktmitarbeiter auf. Eine dieser Transfergesellschaften ist die Firma mBoss GmbH. Das bundesweit agierende Unternehmen betreut 38 Marktstandorte in verschiedenen Bundesländern und die Praktiker-Zentrale im saarländischen Kirkel mit insgesamt 1257 Menschen.

Wissenschaftlich begleitet wird die gesamte Maßnahme vom Helex-Institut. Dieses befragt alle Teilnehmer schriftlich. 1686 (21,83 Prozent) schicken ihren Fragebogen ausgefüllt zurück. Und das Ergebnis ist eindeutig: 85 Prozent der Befragten erklären, dass die Teilnahme an der Transfergesellschaft für sie die richtige Entscheidung war. So sieht es zum Beispiel auch Annette Preyer (52). Die gelernte Einzelhandelskauffrau verlor nach 15 Jahren im Max-Bahr-Markt in Remscheid ihren Job. „Zu Beginn konnte ich mir unter einer Transfergesellschaft gar nichts vorstellen. Im Nachhinein war das für mich die beste Lösung überhaupt.“ Annette Preyer wurde wie weitere 14 Betroffene im nordrheinwestfälischen Remscheid von mBoss betreut. Sie erinnert sich noch genau an ihre Situation beim Eintritt in die Transfergesellschaft, von der sie vier Monate lang betreut wurde: „Ich habe erst einmal aufgeatmet, dass das Gehalt weiter stimmte und mir geholfen wurde. Beim Bewerben war ich ja auch 14 Jahre absolut raus.“

In der Transfergesellschaft erhalten die Teilnehmer Transferkurzarbeitergeld von der Agentur für Arbeit. Im Fall von Praktiker/Max Bahr wurde es von den Insolvenzverwaltern nach Verhandlungen des Betriebsrates mit den Insolvenzverwaltern auf 75 bis 80 Prozent der früheren Gehälter aufgestockt. Mit gezielten Fortbildungen, Bewerbungstrainings und psychologischer Betreuung werden die Teilnehmer in ihrem Bemühen, einen neuen Job zu finden, unterstützt.

Die mBoss-Transfergesellschaft freut sich, dass heute 85 Prozent der von ihr betreuten Teilnehmer wieder ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis gefunden haben. Annette Preyer arbeitet heute bei dem Solinger Leuchten-Hersteller Leatherman. Doch sie sieht nicht nur die reine Vermittlung in Arbeit als ein großes Plus der Transfergesellschaft: „Man ist doch in dieser Situation, wenn man den Job verliert, einfach nur bei allem verunsichert. Da hat mir mein Transferberater unheimlich geholfen.“

Wie Annette Preyer sehen das die meisten Teilnehmer an der Maßnahme so: Bei mBoss äußerten sich mehr als 85 Prozent bei der Befragung zufrieden mit ihrer Betreuung. Laut der Studie des Helex-Instituts ist dies besonders auf eine hohe Beratungsintensität durch die persönlichen Berater in der Maßnahme zurückzuführen.

So erstaunt es nicht, dass sich viele Teilnehmer auch eine längere Laufzeit der Maßnahme gewünscht hätten. Die Agentur für Arbeit ermöglicht Transfergesellschaften von bis zu 12 Monaten Länge. Bei Praktiker/Max Bahr konnten die Betroffenen drei bis sechs Monate in der Transfergesellschaft bleiben. Auch Annette Preyer ist überzeugt: „Vier Monate waren für mich zu kurz. Es wäre schon schön gewesen, länger dabei zu sein.“

Mehr als die ausgehandelte relativ kurze Zeit war bei der großen Zahl der Mitarbeiter und der finanziellen Situation des insolventen Unternehmens nicht machbar. Dass die Gläubiger überhaupt schon auf rund 45 Millionen Euro verzichteten, lag daran, dass sie vom Insolvenzberater und den Betriebsräten überzeugt werden konnten, dass die Mitarbeiter nur bei einem ordentlich ausgestatteten Sozialplan einen geregelten Abverkauf der Waren sichern würden.

Back To Top